Kann ich mit einem Kinderwagen reisen?

Wir sind gerade dabei, von Szczecin zurück nach Berlin zu fahren, über Angermünde.

Für neue Erfahrungen ist man nie zu jung. Wir haben schon viele Reisen mit unseren Kindern gemacht. Als unser Sohn ungefähr ein Jahr alt war, waren wir zum Beispiel in Tromsø in Nordnorwegen und haben dort Nordlichter gesehen. Vor jeder Reise stand aber dieselbe Frage im Raum: Wie machen wir das mit dem Kinderwagen? In diesem Artikel teilen wir unsere Erfahrungen.

Mit einem Kinderwagen kannst du im Grunde unabhängig vom Verkehrsmittel reisen. Die Regeln unterscheiden sich je nach Anbieter, aber grundsätzlich wollen Unternehmen Eltern nicht benachteiligen. Du solltest die genauen Bedingungen immer direkt beim Anbieter prüfen. Wir haben bisher aber noch keinen Fall erlebt, in dem ein Kinderwagen ein echtes Problem war oder zusätzliche Kosten verursacht hat.

Wenn du schon weißt, dass du für Flugreisen, Züge oder Tagesausflüge einen leichteren Zweitwagen willst, schau dir unsere Auswahl der besten Reise-Kinderwagen an.

Schauen wir uns jetzt unsere Erfahrungen aus echten Reisen an.

Mit der Fähre reisen

Viel Platz und kein Problem, Babynahrung mitzunehmen. Das Bild zeigt eine Stena-Line-Fähre von Göteborg nach Frederikshavn.

Wenig überraschend ist die Fähre meist völlig unkompliziert. Wenn die Fähre sehr klein ist, kann es im Einzelfall enger werden. Auf einer größeren Fähre ist das Reisen mit kleinem Kind aber wahrscheinlich eine der angenehmsten und einfachsten Möglichkeiten überhaupt, solange niemand seekrank wird.

Wir waren mit unserem Baby schon auf kleinen Personenfähren im Schärengarten von Göteborg unterwegs, ganz problemlos mit Kinderwagen. Außerdem sind wir mit einer großen Stena-Line-Fähre von Göteborg nach Frederikshavn gefahren. Die Überfahrt dauerte etwa dreieinhalb Stunden und war mit Abstand eine unserer besten Reiseerfahrungen, zumindest was die eigentliche Zeit im Verkehrsmittel angeht. Wenn unser Baby wach war, durfte es spielen oder krabbeln. Wenn es müde wurde, bin ich einfach mit dem Kinderwagen herumgelaufen. Wahrscheinlich hat auch das monotone Geräusch der Fähre beim Einschlafen geholfen. Wenn unser Sohn die Fahrt hätte bewerten dürfen, hätte er vermutlich fünf von fünf Punkten vergeben.

Wichtig: Wir waren damals ohne Auto unterwegs. Wenn du mit Auto reist, kann eine Trage trotzdem sinnvoll sein, oder du solltest bereit sein, dein Kind notfalls zu tragen. Auf dem Autodeck ist es oft eng, und manchmal gibt es nur kleine Aufzüge oder Treppen.

Mit dem Bus reisen

Im Bus von Szczecin nach Rewal durften wir den Kinderwagen mitnehmen, mussten ihn aber umstellen, wenn er im Weg war. Mit mehreren Kinderwagen wäre es schwierig geworden.

Wenn die Fähre keine Option ist, funktioniert auch der Bus oft erstaunlich gut. Wir sind einmal mit einem recht alten Bus von Szczecin nach Rewal in Polen gefahren, ungefähr zwei Stunden lang. Ideal war es nicht, weil wir den Kinderwagen in den Bus hineinheben mussten, statt ihn in einem Gepäckraum zu verstauen. Einen solchen gab es nämlich nicht. Trotzdem hat es funktioniert, und der Fahrer war hilfsbereit.

Auch die Fahrt selbst war in Ordnung, wenn auch ungefähr an der Grenze dessen, was wir mit Kleinkind und Baby noch angenehm fanden. Wir mussten den Kinderwagen zusammenklappen und später noch einmal umstellen, als mehr Fahrgäste einstiegen. Der Mittelgang im Bus war extrem schmal.

Busreisen funktionieren also, können aber etwas riskanter sein. Uns wurde auf dieser Fahrt klar, dass es schnell schwierig geworden wäre, wenn noch mehr Eltern mit Kinderwagen eingestiegen wären. Außerdem war nicht ganz eindeutig, wie die offizielle Regelung war, etwa ob wir den Kinderwagen hätten anmelden müssen. Wir haben das nicht getan. Grundsätzlich wirken Busunternehmen aber eher kulant und erlauben Kinderwagen meist kostenlos, zum Beispiel:

Gerade bei älteren Bussen ohne klaren Stauraum lohnt es sich, vorab einen Plan B zu haben: Trage dabeihaben, den Wagen schnell zusammenklappen können und genügend Zeit beim Einsteigen einplanen. Praktisch war für uns auch, dass wir uns nicht darauf verlassen haben, dass der Kinderwagen durchgehend an derselben Stelle stehen kann. Auf volleren Strecken muss man ihn oft kurzfristig umstellen, damit andere Fahrgäste vorbeikommen.

FlixbusFlixbus erlaubt pro Fahrgast einen Kinderwagen kostenlos als Sondergepäck. Siehe Flixbus-Gepäckregeln.
Wiener Linien (Wien)Die Wiener Linien erlauben Kinderwagen in Bus und Straßenbahn, solange der Wagen sicher abgestellt ist und keine Durchgänge blockiert. Siehe Wiener Linien FAQ.

Mit dem Flugzeug reisen

In Tromsø haben wir den Kinderwagen direkt nach dem Aussteigen schnell zurückbekommen.

Fliegen ist wegen des begrenzten Platzes nicht die angenehmste Art zu reisen. Viele Airlines geben sich aber Mühe, Familien das Leben leichter zu machen. Wir konnten unseren Kinderwagen bisher immer kostenlos mitnehmen, und das scheint sowohl in Europa als auch in den USA oft üblich zu sein. Welche Beispiele am nützlichsten sind, hängt aber stark von der Region ab, in der du reist.

LufthansaLufthansa erlaubt einen faltbaren Kinderwagen kostenlos, und an vielen Flughäfen kannst du ihn bis zum Boarding nutzen. Lufthansa: Fliegen mit Baby.
EurowingsEurowings erlaubt pro Kind oder Baby zwei kostenlose Kinderartikel wie Kinderwagen, Buggy, Reisebett, Kindersitz oder Trage. Eurowings: Reisen mit Kindern.

Oft bekommt man zusätzlich Vorteile wie Priority Boarding. Man muss am Gate aber manchmal aktiv nachfragen. Wir haben oft erlebt, dass Familien nicht automatisch aufgerufen wurden, aber sobald wir gefragt haben, durften wir früher einsteigen.

Wir sind mit unserem Baby von Berlin nach Barcelona geflogen und hatten unseren Bugaboo Donkey dabei. Obwohl wir wegen des Preises etwas nervös waren, hat alles problemlos funktioniert. Wir haben ihn in einer Schutztasche eingecheckt und am Ziel am normalen Gepäckband abgeholt. Die Reise ging später weiter nach Nizza und dann nach Göteborg, ebenfalls ohne Probleme.

Bei einer anderen Reise nach Tromsø in Nordnorwegen haben wir einen kleineren und günstigeren Kinderwagen mitgenommen, einen Hauck Sport Buggy. Auch ihn haben wir in die Schutztasche gepackt und aufgegeben. Das lief ebenfalls gut, auch auf dem Rückflug nach Berlin.

Wir hatten zwar gelesen, dass man Kinderwagen manchmal direkt bis ans Gate bringen und dort wiederbekommen kann, bei uns wurde aber immer auf reguläres Einchecken verwiesen.

Für uns war genau das ein wichtiger Lernpunkt: Nicht jede Airline oder jedes Gate-Team handhabt Kinderwagen gleich. Selbst bei derselben Airline kann es je nach Flughafen unterschiedlich laufen. Wenn du mit einem teuren Modell reist, rechne lieber damit, dass es wie normales Aufgabegepäck behandelt wird, und entscheide danach, ob dir ein Schutzbeutel oder ein günstigerer Zweitwagen für Reisen mehr Sicherheit gibt.

Brauche ich eine Schutztasche für den Kinderwagen?

Wir haben eine günstige No-Name-Tasche von Amazon genutzt. Realistisch betrachtet schützt sie eher vor kleineren Kratzern oder Schmutz, aber nicht vor wirklich schweren Schäden. In Barcelona haben wir außerdem eine Frau getroffen, die mit ihrem Bugaboo Fox ganz ohne Schutz geflogen ist. Sie meinte, sie mache das regelmäßig und habe nie Probleme gehabt.

Andererseits hört man natürlich auch Geschichten von komplett beschädigten Kinderwagen. Wenn du ein teures Modell hast, kann sich eine gute Schutztasche also trotzdem lohnen. Zum Beispiel Stokkes PramPack oder, falls du einen Bugaboo hast, die Bugaboo comfort transport bag.

Mit dem Zug reisen

Nach der Fähre ist der Zug für uns die angenehmste Art des Reisens mit Kinderwagen. Es gibt mehr Platz, und meist lässt sich der Kinderwagen einfach hineinheben und irgendwo abstellen. Wir mussten ihn bisher nicht einmal zusammenklappen, auch wenn das natürlich je nach Zug variieren kann.

Wir sind mit dem Zug von Berlin nach Szczecin gefahren und haben anschließend Regionalzüge in Polen genutzt. Teilweise war es recht voll, aber insgesamt lief alles völlig unkompliziert. Mit dem Kinderwagen hatten wir keinen Stress.

Auch hier solltest du natürlich beim Anbieter nachsehen, zum Beispiel schon beim Ticketkauf. Alles, was wir gesehen haben, deutet aber darauf hin, dass Kinderwagen in Zügen oft kostenlos und relativ problemlos mitgenommen werden können. Welches Beispiel am meisten hilft, hängt aber stark von der Region ab.

Unser Eindruck war auch, dass Zugreisen mit Kind dann besonders entspannt sind, wenn man sich nicht auf perfekte Bedingungen verlässt. Wenn der Zug voller als erwartet ist, hilft es enorm, den Wagen schnell umzustellen oder notfalls kurz zusammenzuklappen. Gleichzeitig ist der Zug für uns im Alltag oft die stressärmste Option geblieben, weil man deutlich mehr Bewegungsfreiheit hat als im Flugzeug oder in vielen Bussen.

ÖBB (Österreich)In vielen Railjet-Zügen gibt es Familienzonen mit Kinderwagenabstellplatz, dadurch ist das Reisen mit Kinderwagen meist unkompliziert. ÖBB: Familienzone und Spezialabteile.
WESTbahn (Österreich)Die WESTbahn bietet Familienabteile in jedem Zug, dazu breite Gänge und Wickelmöglichkeit, was längere Fahrten mit Kindern deutlich erleichtert. WESTbahn: Familienreisen.

Manche Züge bieten sogar zusätzliche Familienvorteile wie Kinderbetreuung oder Unterhaltung, etwa Railjet-Züge in Österreich.

Unser Sohn liebt Zugfahren. Es ist eine tolle Alternative, und wahrscheinlich auch die umweltfreundlichste.

Was, wenn ich keinen Kinderwagen mitnehmen möchte?

In Nizza war es sehr warm, daher wäre eine Trage wegen der Hitze keine gute Option gewesen. Unser Sohn war sehr froh, seinen bequemen Bugaboo Donkey dabeizuhaben.

Wir haben oft darüber nachgedacht, den Kinderwagen zu Hause zu lassen, einfach um die Reise noch unkomplizierter zu machen. Gerade beim Fliegen wirkt das verlockend. Am Ende haben wir ihn aber fast immer mitgenommen, weil es unterwegs einfach sehr angenehm ist, einen Kinderwagen zu haben.

Unsere wichtigste Alternative war die Babytrage. Ich persönlich habe kein Problem damit, unsere kleine Tochter längere Zeit zu tragen. Und unser Sohn ist inzwischen alt genug, um ganz ohne Kinderwagen auszukommen, auch wenn er das nicht immer genauso sieht.

Das Hauptproblem bei einer Trage ist die Wärme. Bei hohen Temperaturen wird es schnell unangenehm. Dazu kommt, dass viele, darunter auch unsere Hebamme, empfehlen, Babys nicht deutlich länger als ungefähr zwei Stunden am Stück in der Trage zu lassen. Ideal ist das also nicht, aber machbar. Wenn dir der Kinderwagen auf einer Reise zu umständlich ist, kann eine Trage durchaus eine Alternative sein.

Denk über einen günstigen kompakten Kinderwagen nach

Eine weitere Möglichkeit ist ein günstiger kompakter Kinderwagen. Er muss natürlich nicht günstig sein, wenn dein Budget mehr erlaubt. Es gibt hervorragende kompakte Modelle, die allerdings auch entsprechend kosten. Gleichzeitig gibt es aber auch ordentliche, günstige Reisekinderwagen, teilweise sogar günstiger als eine gute Schutztasche. Das kann eine sehr praktische Lösung sein, wenn du dein Hauptmodell nicht mitnehmen möchtest. Solange der Wagen nach einem anerkannten Sicherheitsstandard zertifiziert ist, ist es überhaupt kein Drama, ein oder zwei Wochen lang ein einfacheres Modell zu verwenden.

Fazit

Wir hoffen, dass unsere Erfahrungen hilfreich sind. Sieh Kinder oder einen Kinderwagen nicht als Hindernis fürs Reisen. Es ist meist viel unkomplizierter, als man anfangs denkt, und für die meisten Sorgen gibt es praktikable Lösungen. Etwa eine Trage, ein günstiger Reisekinderwagen oder eine Schutztasche für dein hochwertiges Modell.

Reisen mit Kindern kann für die ganze Familie schön sein. Wir sind überzeugt, dass solche Erfahrungen Kindern genauso beim Wachsen helfen wie uns Erwachsenen.

Wenn du unsicher bist, starte mit einer kürzeren Strecke in der Nähe, statt direkt die komplizierteste Reise zu planen. So merkst du schnell, wie euer Kind auf unterschiedliche Verkehrsmittel reagiert, was ihr wirklich dabeihaben müsst und welche Kinderwagen-Konfiguration sich unterwegs am angenehmsten anfühlt.

Wir glauben, dass Erfahrungen sowohl Erwachsene als auch Kinder wachsen lassen. Reisen ist eine schöne Möglichkeit, Neues zu erleben. In Tromsø haben wir Nordlichter gesehen, ein beeindruckender Anblick.