Kann ich mit einem Kinderwagen reisen?

Von Peter CronaZuletzt geprüft

Wir stehen kurz davor, mit unserem Kinderwagen den Zug von Szczecin zurück nach Berlin zu nehmen.

Viele Eltern fragen “Kann ich mit einem Kinderwagen reisen?” so, als hinge die Antwort vor allem von Regeln ab. In der Praxis lautet die Antwort meistens ja. Die nützlichere Frage ist, ob der Kinderwagen diese konkrete Reise leichter oder schwerer macht, wenn man Falten, Tragen, Taxis, Nickerchen, Warteschlangen und müde Kinder ehrlich mitdenkt.

Ja, meistens kann man mit einem Kinderwagen reisen. Die bessere Regel lautet: Nimm ihn mit, wenn er ein echtes Problem löst, etwa Nickerchen, Begrenzung in vollen Umgebungen oder lange Gehtage. Denk dabei aber viel stärker über Größe und Faltmaß nach, als Eltern es anfangs oft tun. Viele Reiseprobleme entstehen nicht dadurch, dass man einen Kinderwagen dabeihat, sondern dadurch, dass man den falschen dabeihat.

Wenn ihr schon wisst, dass ihr für Flüge, Züge oder Ausflüge einen leichteren Zweitwagen wollt, startet mit unserem Leitfaden zu Reisebuggys.

Wann der Kinderwagen wirklich hilft

Ein Kinderwagen hilft besonders dann, wenn:

  • das Kind noch unterwegs schläft
  • es zwar laufen kann, aber Flughäfen oder lange Umstiege nicht verlässlich schafft
  • ihr in vollen Situationen Begrenzung braucht
  • Erwachsene ohnehin schon genug Taschen tragen

Genau das war unsere Lektion auf der ersten langen Reise nach Shanghai. Wir ließen den Kinderwagen zu Hause und merkten am Berliner Flughafen sehr schnell, dass “sie kann laufen” nicht bedeutete, dass der Flughafen plötzlich einfach war.

Die Hauptfrage ist nicht Erlaubnis, sondern Reibung

Meistens gibt es irgendeinen Weg, mit Kinderwagen zu reisen. Was die Qualität des Tages wirklich verändert, ist die Reibung:

  • Wie oft muss er gefaltet werden?
  • Kann eine erwachsene Person das schnell allein erledigen?
  • Passt er mit Gepäck ins Taxi?
  • Werdet ihr es bereuen, ihn auf Treppen oder Bahnsteigen zu tragen?

Züge: oft einfach, bis ein Abschnitt kippt

Züge können sehr kinderwagenfreundlich sein, solange die Route planbar bleibt. Auf unserer Fahrt nach Szczecin war der Zug selbst einfach. Der schwierige Teil war der Ersatzbus in der Mitte.

Unsere Tochter im Zug nach Szczecin, wo der Zugteil einfach war und der Ersatzbus die eigentliche Variable darstellte.

Darum lohnen sich kleinere, leichter faltbare Kinderwagen auch dann, wenn die Bahnstrecke auf dem Papier großzügig wirkt. Eine Treppe, ein geteilter Zug oder ein Ersatzbus kann den Tag sofort verändern.

Busse: Platz ist nie garantiert

Busse sind der Ort, an dem Kinderwagen-Optimismus am schnellsten auf Realität trifft. Es kann funktionieren, aber oft nur, wenn der Bus nicht zu voll ist und der Einstieg ruhig bleibt.

Ein Bus bei Szczecin, in dem der Kinderwagen nur deshalb gut funktionierte, weil das Fahrzeug nicht zu voll war.

Die praktische Regel: Rechnet im Bus damit, dass der Kinderwagen gefaltet, verschoben oder kurzzeitig unbequem werden muss.

Fähren: oft freundlicher als Busse oder Flüge

Große Fähren waren für uns mit Kinderwagen oft besonders angenehm. Es gibt mehr Platz, weniger Druck beim Einsteigen und mehr Zeit, sich einzurichten.

Eine Fährfahrt, auf der der Kinderwagen wegen des vielen Platzes deutlich angenehmer war.

Kleine Aufzüge, Autodecks und der Übergang beim Ein- und Aussteigen zählen trotzdem. Aber Fähren sind häufig die Reiseart, bei der ein Kinderwagen am wenigsten stört.

Flughäfen: hier zählt Begrenzung am meisten

Flughäfen sind ein Sonderfall, weil der Kinderwagen nicht nur Transport ist. Er hilft auch, ein müdes oder überreiztes Kind sicher bei euch zu halten.

Ein Kind, das im Park gut läuft, ist nicht automatisch einfach an Check-in, Sicherheitskontrolle, Passkontrolle, Gate und Rolltreppen. Wenn euer Kind noch regelmäßig Begrenzung braucht, ist ein Flughafen einer der stärksten Gründe, einen Kinderwagen mitzunehmen oder am Ziel einen zu organisieren.

Wann ein kompakter Reisebuggy die klügere Wahl ist

Ein kompakter Reisebuggy ergibt oft mehr Sinn als ein großer Kinderwagen, wenn:

  • die Reise Flüge, Busse oder viele Umstiege enthält
  • der Platz im Taxi wirklich knapp ist
  • Treppen, Bahnsteige oder schnelle Einstiege zu erwarten sind
  • der Wagen vor allem Nickerchen, Backup und Begrenzung lösen soll

Wann kein Kinderwagen klüger ist

Ohne Kinderwagen zu reisen kann richtig sein, wenn das Kind wirklich keine Nickerchen oder Begrenzung unterwegs mehr braucht, die Reise kurz und reibungsarm ist, eine Trage das Problem besser löst oder die Route selbst einen kompakten Wagen bestrafen würde.

Der Fehler ist nicht die eine oder andere Wahl. Der Fehler ist, aus Stolz, Gewohnheit oder Wunschdenken zu entscheiden statt nach der Reise, die ihr wirklich macht.

Unsere Faustregel

Nehmt einen Kinderwagen mit, wenn er die Reibung für die Familie als Ganzes spürbar senkt. Wählt ein kompaktes Modell, wenn die Route Unsicherheit enthält. Lasst ihn nur dann weg, wenn ihr wirklich sicher seid, dass ihr euch ein paar Stunden später nicht wünschen werdet, ihn dabeigehabt zu haben.

Für ein konkretes Langstreckenbeispiel lest unsere erste Langstreckenreise mit der Familie nach Shanghai. Für ein nahes Zugbeispiel lest Szczecin mit Kindern per Zug.